Im Baumarkt
Gibt es unsexiere Orte als Baumärkte? Nutzwertorientiert, nüchtern, maskulin? In jeder Hinsicht: unkünstlerisch? Und: Ist es möglich, einen Baumarkt zu besetzen, als Kunstort neu zu denken? So: Unbekannte Künstler stürmen einen Baumarkt in Altona und verarbeiten Leisten, Schraubklemmen, Teppiche und Werkzeuge zu temporären Installationen, bis der Fillialleiter kommt und den Kram wieder abbauen lässt.
Und vor allem: Ist das dann politisch? Sich Räume zurückzuerobern? Ernste Frage: Wird die Kunst gerade an ihren Rändern repolitisiert? Ich habe den Eindruck, ob im Hamburger Gängeviertel Abbruchhäuser besetzt und zu Ateliers und Ausstellungsräumen umfunktioniert werden, ob ein Baumarkt zum Ort illegaler Ausstellung umfunktioniert wird, ob Angela Merkel bei ihrer Rede auf dem Gänsemarkt mittels ironischer Beifallsstürme am christdemokratischen Wahlkämpfen gehindert wird.
Bestimmte Punkte sind festzuhalten: Erstens geht es bei solchen Aktionen nicht um bestimte Genrezuordnungen, die Merkel-Störungen bewegen sich im Rahmen performativer Kunst, der Baumarkt wird temporärer Ort traditioneller Installationen (auch wenn das Auf- und Abbauen der Arbeiten fast stärker im Fokus steht als die Arbeiten selbst), und die Besetzung des Gängeviertels lenkt den Blick auf Kunstproduktion. Zweitens: Künstlerische Qualität ist bei der Betrachtung eher zweitrangig. Und drittens: Der Protest bezieht sich in erster Linie auf die eigenen Lebensumstände. Die politisch protestierenden Künstler wollen zunächst ihre eigene Situation verbessern, sie wollen bezahlbare Ateliers, sie wollen Ausstellungsmöglichkeiten.
Sympathisch ist der Protest dennoch. Weil er kreativ ist, weil die jubelnden Massen bei Merkel eben etwas anderes sind als bloße Störer im Wahlkampfeinerlei, weil sie Fragen nach Zustimmung, nach performativen Normen stellen. Und: Auf den ersten Blick mögen die Aktion selbstbezogen, eigennützig erscheinen, in Wahrheit führen sie aber weiter. Denn eine Gesellschaft, die keine Räume für Kunst bereitstellt, das ist auch eine Gesellschaft, die alle übrigen randständigen Elemente aus dem Fokus drängt. Wer keinen Platz für Kunst hat, der hat auch keinen Platz für Behinderte, Migranten, Faule, Kinder - nur mal als ein paar Beispiele. Wo Künstler beginnen, sich solche Räume rückzuerobern, da folgen andere nach.

Bestimmte Punkte sind festzuhalten: Erstens geht es bei solchen Aktionen nicht um bestimte Genrezuordnungen, die Merkel-Störungen bewegen sich im Rahmen performativer Kunst, der Baumarkt wird temporärer Ort traditioneller Installationen (auch wenn das Auf- und Abbauen der Arbeiten fast stärker im Fokus steht als die Arbeiten selbst), und die Besetzung des Gängeviertels lenkt den Blick auf Kunstproduktion. Zweitens: Künstlerische Qualität ist bei der Betrachtung eher zweitrangig. Und drittens: Der Protest bezieht sich in erster Linie auf die eigenen Lebensumstände. Die politisch protestierenden Künstler wollen zunächst ihre eigene Situation verbessern, sie wollen bezahlbare Ateliers, sie wollen Ausstellungsmöglichkeiten.

zahnwart - 20. Sep, 12:06
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